Klasse R10b erlebt Strafprozess am Amtsgericht Leer

Körperverletzung, Einbruchsdiebstähle, unerlaubter Waffenbesitz, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Fahren ohne Fahrerlaubnis – Es war ein ganzes Paket von Strafdelikten, für das sich zwei 20-jährige Männer vor einem Jugendschöffengericht verantworten mussten. Miterleben konnten den Strafprozess beim Amtsgericht Leer die Schüler/innen der Klasse R10b. Diese hatten zuvor im Politikunterricht die Grundprinzipien im Rechtsalltag sowie den Ablauf von Hauptverhandlungen in Strafprozessen erarbeitet. Zum Ende der Unterrichtsreihe konnten sie dann als Zuhörer eines öffentlichen Prozesses miterleben, wie im „wahren Leben“ die oben genannten Gesetzesverstöße geahndet werden.

Die beiden einschlägig vorbestraften Angeklagten aus dem Landkreis Leer hatten in den letzten beiden Jahren unter anderem Wertgegenstände aus Wohnungen und Fahrzeugen gestohlen, waren mit (zum Teil entwendeten) Autos gefahren, ohne eine Fahrerlaubnis (Führerschein) dafür zu besitzen, und waren mit Rauschgift (unter anderem Marihuana und Ecstasypillen) erwischt worden. Während einer Maifeier hatte einer der Angeklagten außerdem einem Mann ins Gesicht geschlagen, von dem er provoziert worden sei.

Während der Beweisaufnahme las der Vorsitzende Richter häufig aus den Protokollen der polizeilichen Vernehmungen vor, und einen Großteil der ihnen zur Last gelegten Taten gaben die Angeklagten auch zu. Beide betonten, „reinen Tisch“ machen zu wollen und versprachen, in Zukunft nicht mehr strafbar zu werden.

Interessant für die Schüler war während der Beweisaufnahme unter anderem die Tatsache, dass allein schon der Besitz eines Schlagringes als ein Verstoß gegen das Waffengesetz gilt.

Bevor die Staatsanwältin und die beiden Verteidiger ihre Schlussplädoyers hielten, hatte ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe beiden Tätern eine schwere Kindheit und Jugend sowie Reifeverzögerungen zum Tatzeitpunkt bescheinigt, als sie beide schon über 18 Jahren waren. Dadurch wurde für beide Angeklagten das (mildere) Jugendstrafrecht und nicht das Erwachsenenstrafrecht angewendet, das viel höhere Strafen vorsieht.

„Im Namen des Volkes“ verurteilte das Gericht letztlich einen der Täter zu einer Geldstrafe von 1000,- Euro wegen Diebstahls und des Besitzes von Rauschgift. Der andere Täter erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die allerdings für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Für den Verurteilten, so der Richter, sei es die letzte Chance. Das bedeutet, dass er seine Strafe im Gefängnis absitzen muss, wenn er in diesen drei Jahren erneut Straftaten begeht. Besonders schwerwiegend waren in diesem Fall die Schläge ins Gesicht. Zwar räumte der Richter in seiner Urteilsbegründung durchaus ein, dass der Angeklagte bei der Maifeier provoziert worden sei. Dennoch hätte er den Konflikt nicht mit Fäusten lösen dürfen.

Beide Täter nahmen das Urteil an. Ob die Staatsanwaltschaft sich damit zufrieden gibt oder in die Berufung geht, stand zum Ende des Prozesstages noch nicht fest. Die Staatsanwältin hatte in ihrem Plädoyer wesentlich härtere Strafen gefordert.

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