Westerbork – Ihrhove – Auschwitz: Weg für Tausende Holocaust-Opfer

Eine Geschichtsstunde mit bewegendem lokalen Bezug beeindruckte Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Collhusen.  Bei einer Lesung in der Aula stellte Heimatforscher Hermann Adams sein Buch „Geboren in Ihrhove – Westoverledingen, im Holocaust umgekommen“ vor.

Die Mädchen und Jungen der 9. Realschulklassen erfuhren, dass es durchaus in Ihrhove geborene Menschen gab, die vor den Nazis geflüchtet waren und dennoch der Ermordung im Holocaust nicht entkommen konnten. Moderiert wurde die Lesung von der Westoverledinger Pressesprecherin Nina Lenger.

Jahrzehntelang, so führte Hermann Adams über die Recherchen zu seinem Buch aus, gab es in Westoverledingen die vorherrschende Meinung, dass es eine jüdische Bevölkerung zwischen Leer und Papenburg nie gegeben habe.

Erst nachdem seine Forschungen, zum Beispiel mit Hilfe des Bundesarchivs oder des Auschwitz-Archivs, ergeben hatten, dass mindestens 14 gebürtige Ihrhover im Holocaust umgekommen waren, meldeten sich vereinzelte Zeugen bei Hermann Adams, die sich erinnerten.

Exemplarisch wurde während der Lesung an die Schicksale von zwei ermordeten Ihrhovern erinnert, vorgetragen von den Lehrern Hanna Mütz-Endrizzi und Christian Merl. Schulleiter Rainer Bruns las außerdem das Kapitel, das die Deportationszüge von Westerbork über Ihrhove zu den Vernichtungslagern beleuchtete.

Nachdenklich machte die Schüler dabei, dass die Route vom  niederländischen Westerbork über den Abzweig Ihrhove die Hauptverbindung zum Vernichtungslager Auschwitz dargestellt hatte. Vor allem die Tatsache, dass die Deportationszüge aus Holland häufig nachts auf einem Abstellgleis in Ihrhove standen, das noch heute existiert, verblüffte. In diesem Zusammenhang führte Hermann Adams aus, dass unter den Tausenden Juden möglicherweise auch Anne Frank von Westerbork über Ihrhove deportiert wurde. In den Archiven sei die Deportation Anne Franks nach Auschwitz zwar dokumentiert, es sei jedoch offen, ob die Fahrt des Zuges über Osnabrück oder Ihrhove ging.

Fragen zum Ansehen der Juden in Ihrhove, zu Reaktionen der Bevölkerung auf das Verschwinden ihrer ehemaligen Mitbürger komplettierten die Veranstaltung in der Aula.

Nina Lenger informierte abschließend über die Errichtung eines Denkmals, mit dem die Erinnerung an die 14 in Ihrhove geborenen und im Holocaust ermordeten jüdischen Menschen wachgehalten werden soll. Die Einweihung dieses Denkmals in der Nähe des Bahnhofs soll noch in diesem Jahr stattfinden.

 

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